Skitourenguru

Welchen Stellenwert hat das Lawinenbulletin für die Berechnungen?

Das Lawinenbulletin hat den zentralen Stellenwert für die Berechnungen von Skitourenguru. Nur dank der minutiösen Arbeit europäischer Lawinenwarner kann Skitourenguru Routen bewerten.

Darf das Lawinenbulletin auf den Einzelhang angewandt werden?

Gemäss Aussage des SLF hat das Lawinenbulletin einen hohen Generalisierungsgrad. Das heisst das Lawinenbulletin hat Gültigkeit für ein Gebiet und nicht für einen spezifischen Einzelhang. Eine Gefahrenstufe ist eine abstrakte Aussage zur Gefährdung in einem Gebiet, welches sich aus stabilen und instabilen Hängen zusammensetzt. Diese sind bunt gemischt. Je grösser der Anteil der instabilen, desto höher die Gefahrenstufe. In die Gefahrenstufe fliesst zudem die Schätzung ein, wie leicht man einen instabilen Hang auslösen kann und wie gross eine Lawine potentiell bei der aktuellen Situation wird. Ein Hang ist also nicht erheblich oder mässig sondern er hat mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit ein Lawinenproblem.

Darf nun eine derartige Information auf einen konkreten Einzelhang angewandt werden? Um diese Frage zu beantworten, muss unbedingt in der Phase unterschieden werden: Während der Planungsphase (Filter 1) darf bzw. muss das Lawinenbulletin auf den Einzelhang bezogen werden. Wohlverstanden diese Anwendung geschieht als Planungsspiel auf der Karte und dient der Auswahl und Planung einer Route. Während der Durchführungsphase (Filter 2 und 3) darf das Lawinenbulletin nicht mehr eins zu eins auf den Einzelhang angewandt werden. Die Information aus dem Lawinenbulletin muss unbedingt mit der in der vor Ort und im Einzelhang gewonnenen Information kombiniert werden, um zu einem JA/NEIN-Entscheid zu gelangen. Mehr zum Thema findest du unter der 3x3-Regel.

Bei welchem Lawinenproblem ist die GRM nützlich?

Das SLF beschreibt vier sogenannte Lawinenprobleme. Die GRM ist gemäss dem Faltblatt Achtung Lawinen! nützlich bei Neuschnee und Altschnee, teils nützlich bei Triebschnee und wenig nützlich bei Nassschnee.

Zu den Lawinenproblemen gibt es wenig gesichertes Wissen. Es gibt innerhalb der Lawinenkunde auch eine Strömung, die den Lawinenproblemen gegenüber grundsätzlich kritisch eingestellt sind. Die entsprechenden Experten sind der Ansicht, dass die Lawinenprobleme lediglich oberflächliche Merkmale mit nur bedingter Aussagekraft für die Stabilität einer Schneedecke sind. Zudem seien die Lawinenprobleme indirekt im Lawinenbulletins quasi eingepreist.

Mehr zum Thema Triebschnee und Nassschnee findest du unter dem Kapitel Zuverlässigkeit.

Welches Lawinenbulletin wird benutzt, wenn zwei Lawinenbulletins (eines gültig für den Vormittag und eines gültig für den Nachmittag) aufgeschaltet werden?

In der Regel publizieren die Lawinenwarndienste zwei Lawinenbulletins pro Tag, nämlich am Morgen und am Abend (siehe Lawinenwarndienste in den Alpen). Wenn ein starker Anstieg der Gefahrenstufe angenommen wird, werden zwei Lawinenbulletins publiziert: Eines ist gültig für den Vormittag, das andere für den Nachmittag.

Skitourenguru berechnet die Risiko-Indikatoren mit der Morgen- und Abendausgabe. Wenn nun ein Lawinenwarndienst zwei Lawinenbulletins publiziert (eines gültig für den Vormittag und eines gültig für den Nachmittag), dann werden die Indikatoren nur mit dem Bulletin, das für den Vormittag gültig ist, gerechnet. Das heisst aber auch, dass die Indikatoren für den Nachmittag ungültig sind. In einem solchen Fall erscheint ein entsprechender Vermerk in der Web-Applikation.

Bezieht der Algorithmus von Skitourenguru das Lawinenproblem ein?

Die Lawinenprobleme sind qualitativer Natur. Es macht keinen Sinn einen quantitativen Aspekt in den Lawinenproblemen zu suchen. Wenn ein Lawinenproblem akut ist (z.B. akutes Altschneeproblem), dann preisen die Lawinenwarndienste das in der Gefahrenstufe ein.

Die im Lawinenbulletin spezifizierten Lawinenprobleme unterliegen zudem Unsicherheiten sowie einem hohen Generalisierungsgrad. Es handelt sich um eine Information, die vorwiegend Vor Ort und im Einzelhang Relevanz entwickelt. Wintersportler sind jedoch angehalten die Information zu den Lawinenproblemen nicht einfach eins zu eins auf den Einzelhang zu übertragen, sondern sich eigene Gedanken zum Lawinenproblem zu machen. Die im Lawinenbulletin kommunizierten Lawinenproblem dienen als Hinweis auf eine mögliche Situation.

Eine Arbeit von Winkler et al. (2021) weist daraufhin, dass sich das Lawinenrisiko zwischen unterschiedlichen Lawinenproblemen zwar unterscheidet (Faktor 1.5), die Unterschiede stehen aber in kleinem Verhältnis zum Unterschied im Lawinenrisiko zwischen den Gefahrenstufen (Faktor 3-5 von Gefahrenstufe zu Gefahrenstufe).